14.08.-19.09.2020

Flurina Badel & Jérémie Sarbach – Planty of Love

DO 13.08.2020 19.00 Uhr
Vernissage
Begrüssung & Einführung zur Ausstellung; Michael Sutter, Leiter Kunsthalle Luzern

SA 29.08.2020, 11.00 bis 19.00 Uhr
Kunsthoch Luzern – Aktionstag der Luzerner Galerien & Ausstellungsräume
Speed-Date mit Badel, Sarbach oder Sutter (Losverfahren), Startzeiten: 13.30 Uhr, 15.30 Uhr, 17.30 Uhr

SA 19.09.2020, 14.00 Uhr bis 19.00 Uhr
Finissage
17.00 Uhr: Talk mit Badel/Sarbach und Laura M. Weber & Rosemarie E. Benson (Film & Animation) Moderation: Michael Sutter

über die ausstellung

PLANTY OF LOVE oder roter Farbstoff mit sechs Beinen

Temporär arbeitet eine neue Aufsicht in der Kunsthalle Luzern; es ist eine überdimensionierte Laus. Sie sitzt stoisch am Empfang, spricht zu Dir über einen Bildschirm aus dem virtuellen Raum und betätigt sich athletisch im Untergeschoss. Kreiert wurde die namenlose Laus vom Künstlerduo Badel/Sarbach, als zeitgenössischer Verweis auf die Kulturgeschichte der Cochenilleschildläuse. Ihrer Züchtung und anschliessender Pulverisierung verdanken wir noch heute den roten Farbstoff Karmin.

Badel/Sarbach haben für ihre Ausstellung PLANTY OF LOVE in der Kunsthalle Luzern eine raumspezifische Plantage eingerichtet. Durch die Kultivierung der stilisierten Kakteengewächse verweist das Künstlerduo auf das bevorzugte Habitat der Cochenille-Laus – die Opuntia. Die Installation Cotschen Plants besteht aus modellierten und mit reflektierenden Mikroglasperlen beschichteten skulpturalen Objekten, an deren Blättern sich rote Lollipops befinden, die gepflückt und geleckt werden dürfen. Die Süssigkeiten sind mit dem Pigment der zerriebenen Cochenille-Läusen hergestellt und verfärben die Zunge der Besucher*innen. Das Künstlerduo reflektiert mit ihrer Installation den naturwissenschaftlichen Umstand, dass die Cochenilleschildläuse den Farbstoff eigentlich für die Abwehr von Fressfeinden produzieren. Gleichzeitig handelt es sich um einen kritischen Beitrag über die menschliche Aneignung der Umwelt auf Kosten der Fauna.

Am Rande der Opuntien-Plantage befindet sich auf einem Bildschirm, die in Zusammenarbeit mit Laura M. Weber und Rosemarie E. Bensons entstandene Animation mit der alten Laus. Auf einem Stuhl sitzend, wacht sie langsam auf und beginnt mit dem Publikum zu interagieren und es in ein Gespräch zu verwickeln. Als performatives Element thematisiert die Laus ihre eigene Befindlichkeit sowie das Verhältnis zwischen Natur und Kultur, gibt Hinweise zur Ausstellungskonzeption und macht auf den Transformationsprozess der Pigmentgewinnung aufmerksam. In zerquetschter und ausgekochter Weise sind die gezüchteten Läuse nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil der karminroten Farbgebung von industriell hergestellten Kosmetikprodukten und Lebensmitteln.  Diese Verwandlung – von der lebendigen Laus in eine pigmentierte Substanz – dient als Ausgangspunkt für einen Diskurs über Empathie, Distinktion und Gewalt in der Beziehung zwischen Menschen, anderen Tieren und ihrer Umwelt. Die animierte Laus fungiert dabei als tragikomischer Transmitter zwischen den verschiedenen Lebenswelten.

Im Kabinett der Kunsthalle Luzern lernt man die Laus von ihrer sportlichen Seite kennen. Innerhalb der Serie Good Shape – es handelt sich um Wackelbilder, die im lentikulären Druckverfahren hergestellt sind – absolviert das winzige Insekt verschiedene, gymnastische Übungen. In methodisch wiederholendem Handeln verbessert die Laus ihre komplexen Fertigkeiten und Bewegungsabläufe von Tag zu Tag immer wieder neu und macht sich somit fit für den Umgang mit ihrer eigenen Umwelt.

Die Animation Planty of Love wurde von Laura M. Weber und Rosemarie E. Benson (Rob & Law) ausgeführt.

Autor: Michael Sutter, Leiter Kunsthalle Luzern, Juli 2020

ausstellungskarte

Flurina Badel & Jérémie Sarbach – Planty of Love

presseinformation

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