21.04. – 04.06.2023

Quido Sen - Sorgen Sie dafür, dass nach Ihrem Ableben Ihr Vorsterbekapital in richtige Hände kommt

DO 20.04.2023, ab 19.00 Uhr
Vernissage: Begrüssung & einleitende Worte zur Ausstellung: Michael Sutter, Leiter Kunsthalle Luzern

FR 05.05.2023, 19.00 Uhr
Soundperformance: Michel Winterberg

DO 25.05.2023, 16.00 bis 19.00 Uhr
Künstler & Kurator vor Ort

ABGESAGT: FR 02.06.2023, 19.00 Uhr
Performance: Pelayo Arrizabalaga & Quido Sen
Der Anlass findet aufgrund von Krankheit nicht statt.

SO 04.06.2023, 14.00 bis 17.00 Uhr
15.00 Uhr: Künstlergespräch

über die ausstellung

Der tschechisch-schweizerische Künstler Quido Sen (*1948 In Ostrava, lebt und arbeitet in Baar) realisiert nach über 50 Jahren Kunstschaffen eine raumspezifische Ausstellung inkl. einer umfangreichen Buchpublikation in der Kunsthalle Luzern. Sein künstlerisches Tätigkeitsfeld umfasst multimediale Installationen, akustische Arbeiten, Objekte und Performances, sowie computerbasierte Kunst.

Quido Sen verbindet triviale Materialien – wie PET, Plastik, Schaltafeln, Holz etc. – zu räumlichen Körpern, die als Referenzsystem für die Kombination mit High-Tech-Elektronik und Mathematik funktionieren. Technisch anspruchsvoll programmiert und pragmatisch installiert (zum Beispiel mittels Einmachgläser), reagieren seine Werke teilweise auf Akustik und Bewegung. Sie beobachten, interagieren, pulsieren oder schweigen. Der Künstler versteht es, toter Materie ein gewisses Leben einzuhauchen und ihr eine kleine Seele zu verleihen. Seine tierartigen Gebilde, bestehend aus Plastik- und Gemüsesäcken, füllen sich langsam mit Luft und entleeren sich wieder, was den Vorgang von Atmung im Kopf der Zuschauer:innen entstehen lässt. Dabei handelt es sich um eine gezielte Täuschung, die Unsichtbares sichtbar und Unhörbares hörbar macht.

Seine ausgestellten Arbeiten wirken wie Ideen, die jemand zu einem bestimmten Zweck entwickelt hat, den aber niemand wirklich kennt oder auf Anhieb versteht. Viele seiner Objekte und Installationen in der Ausstellung kommunizieren direkt oder indirekt mit den Besuchenden. Bewegungs- und Lichtsensoren registrieren die Vorkommnisse in der Ausstellung und reagieren mit akustischen Geräuschkulissen, wie beispielsweise die neu konzipierte Installation mit den Damigiana-Glasflaschen.

Explizit für seine Einzelausstellung hat Quido Sen die raumgreifende Installation «Umschöpfen» hergestellt, gefertigt aus Schaltafeln, Möbelfragmenten, Schläuchen, Pumpen, Gläsern, verpackten Plastik & Petflaschen und roter Tinte. Vom Zufall bestimmt pumpt sich die rote Tinte – ähnliche wie die menschliche Blutzirkulation – von Gefäss zu Gefäss, von Objekt zu Objekt und wieder zurück. Der Interpretationsspielraum für Betrachter:innen bei seinen Arbeiten ist jeweils bewusst sehr offen gehalten; werden durch Werktitel angedeutet oder verschleiert. Quido Sen erklärt nicht, was seine Arbeiten zu bedeuten haben. Vielmehr gibt er Andeutungen, was ihn und die Welt beschäftigen und lässt – wie beispielweise mit dem «Beichtstuhl» in der Nische oder der Installation «Die Welt ist in Ordnung» computergenerierte und vom Zufall gelenkte kritische und bisweilen poetisch-ironisch Botschaften und Pseudo-Weisheiten kommunizieren. So kam es übrigens auch zum kryptischen Ausstellungstitel «Sorgen Sie dafür, dass nach Ihrem Ableben Ihr Vorsterbekapital in richtige Hände kommt».

Quido Sens Projekte unterliegen oftmals dem Prinzip der sich verselbständigenden Kommunikation, wobei der Zufall als Erweiterung der Fantasie angewandt wird. Was ist wahr und was nicht? Das labile Gleichgewicht widerspiegelt sich in seinen Arbeiten und lässt das Publikum in jenen Erfahrungsraum zwischen dem Kalkulierbaren und dem Unbegreiflichen eintreten. Seine installativen Arbeiten nehmen den Raum der Kunsthalle Luzern in Beschlag, während an den Wänden eine Auswahl seiner «Tusche-Plotterzeichnungen» aufgereiht ist. Diese sind aus den frühen 1990er Jahren und entstammen indirekt aus der Feder des Künstlers; er liess Computer ganze Nächte daran «arbeiten». Diese avantgardistischen Zeugnisse wurden vom Künstler programmiert und lassen viel Raum für die Zufälligkeit offen.

Die Videoaufnahme im Kabinett der Kunsthalle Luzern entstammt aus dem Atelier von Quido Sen, eine gefilmte Versuchsanordnung im Jahr 1993. Aus dem Tonband erklingt «Lamento», ein griechisches Volkslied, gesungen von Irene Papas. Während die Musik spielt, hängt das sperrige Objekt am Zuleitungskabel, ist mit gegengepolten Ventilatoren ausgerüstet und dreht sich um die eigene Achse. Mit jeder Umdrehung steigt das Objekt allmählich höher, während das Kabel zunehmend verquirlt. Visuell ergibt sich eine kegelförmige Trajektorie – in der Physik der Verlauf einer Raumkurve, entlang der sich ein Körper oder ein Punkt bewegt. Nach acht Minuten geht das Lied zu Ende. Dann – Kurzschluss! Das Objekt stürzt zu Boden. Dunkelheit.

Zur Ausstellung erscheint die Publikation «Regelmässigkeit des Zufalls», welche auf das künstlerische Schaffen von Quido Sen zurückblickt.

ausstellungskarte

Quido Sen - Sorgen Sie dafür, dass nach Ihrem Ableben Ihr Vorsterbekapital in richtige Hände kommt

für die unterstützung danken wir